Einige Überlegungen zu der Plus-Minus-Sendung vom 23.10.2013

Grüne Energie? Sauberes Trinkwasser?

Einige Überlegungen zu der Plus-Minus-Sendung vom 23.10.2013

 

Unser wichtigstes Nahrungsmittel, das Grundwasser, ist zugleich das am meisten gefährdete Gut überhaupt. In Deutschland ist der Nitratgehalt des Grundwassers EU-weit am höchsten.  Schuld daran sind vor allem Intensivlandwirtschaft und Biogasanlagen. (Sinngemäßes Zitat aus o.g. Sendung)

Im Zuge der Energiewende lautet das Hauptziel: Weg von fossilen Energieträgern, hin zu erneuerbaren Energiequellen wie Sonne, Wind und Biomasse. Keine Frage, jedes dieser drei Konzepte muss verfolgt werden, will man die Energiewende schaffen. Doch gerade letzteres, die Energiegewinnung aus Biomasse, hat in den letzten Jahren eine Entwicklung genommen, die mehr als unselig ist und den Umweltgedanken geradezu pervertiert.

Das ursprüngliche Ziel, die Einsparung fossiler Energie, wird durch den immer größeren Einzugsbereich der industriellen Großbiogasanlagen und die damit anfallenden Transportkilometer wieder zunichte gemacht. Hinzu kommt die massive Belastung der Äcker durch Spritzmittel, welche durch in Monokultur wachsende Energiepflanzen nötig werden, sowie eine Überdüngung der Böden durch das Ausbringen von immer mehr Gülle und Gärresten auf die Felder der Umgebung. Sowohl Herbizide als auch Nitrate gelangen ins Grundwasser, und dies inzwischen in Mengen, die über dem gesetzlichen Grenzwert liegen. Was dies heißt, musste man beispielsweise beim Wasserzweckverband Rottenburg am eigenen Leib erfahren: Einige Brunnen mussten wegen erhöhter Werte geschlossen werden, und man war gezwungen, Land zu kaufen, auf dem keine Intensivlandwirtschaft betrieben wurde, um noch an genügend unbedenkliches Trinkwasser zu kommen. Doch mit zunehmender Ausbreitung der Großbiogasanlagen wird es irgendwann keine unbelasteten Flächen zum Ausweichen mehr geben. Was dann? Die jetzt bereits entstandenen Schäden sind irreparabel, denn alles, was bisher auf die Oberfläche aufgebracht und von der Pflanze nicht aufgenommen wurde,  gelangt mit absoluter Sicherheit irgendwann ins Trinkwasser.

Vor fünf Jahren war dieses Überdüngungsproblem noch nicht hinreichend bekannt.  Inzwischen gibt es bereits eine Güllebörse, wo Äcker aufgeführt sind, die noch gedüngt werden dürfen. Dadurch entsteht ein regelrechter Gülletourismus, durch den Unmengen an fossiler Energie verbraucht werden. Es werden Reichweiten von über 100 km in Kauf genommen. Und was passiert wohl mit der Gülle, die auf Schiffe verladen und abtransportiert wurde?

 Dieses Problem entsteht vor allem dadurch, dass Biogaswirtschaft und Landwirtschaft entkoppelt sind, d.h. die Betreiber industrieller Großbiogasanlagen sind reine Unternehmer und verfügen teilweise über keine eigenen landwirtschaftlichen Nutzflächen, die sie ohnehin düngen müssten. Also wohin damit?

Der Biogasrat, der Lobbyverband der Biogasanlagenbetreiber, argumentiert folgendermaßen: Wenn man nun schon den Bau von Biogasanlagen subventioniert habe und weiterhin von der erzeugten Energie profitieren wolle, müsse der Staat sich auch darum kümmern, wo und wie man die Gülle loswird.

Fazit: Diejenigen, die satt an den Großbiogasanlagen verdienen, werden dies weiterhin tun, ohne die Konsequenzen ihrer Umweltsünden tragen zu müssen. Diejenigen, die die Gesetze dafür gemacht haben, dürfen sich weiterhin als die Förderer „grüner“ Energie feiern lassen. Bezahlen darf diesen Wahnsinn aber der Normalbürger, zum einen über die EEG-Umlage beim Strompreis, zum anderen über immer teureres, da schwer zu beschaffendes Trinkwasser.